Background Sidebar
Vorstand Statuten Publikation Tagungen Rundschau Institutionen Kontakt Volkskunde in Österreich eBook)

Rundschau

Neuwahl des Vorstandes

Bei der Ao. Generalversammlung am 30. Juni 2016 in Innsbruck wurde der Vorstand des Österreichischen Fachverbands für Volkskunde neu gewählt (Amtsdauer: 2016–2019), s. dazu Menüpunkt “Vorstand”.


Erklärung des Fachverbandes und österreichischer Institutionen für Volkskunde

Am 28.11.2015 haben die österreichischen Universitäts-Institute für Volkskunde, Europäische Ethnologie und Kulturanthropologie sowie die Verbände und Museen für Volkskunde eine Erklärung veröffentlicht, in der sie sich gegen die Art und Weise wenden, wie derzeit im Zusammenhang mit der Bürgerkriegsflucht und Migration vieler Menschen
die Begriffe Kultur, Heimat und Identität instrumentalisiert werden.

 

Rundschau Archiv

Gerlinde Haid gestorben 

Am 29. November 2012 ist Frau emer. Univ.-Prof. Dr. Gerlinde Haid, seit 1971 Mitglied unseres Verbandes in Innsbruck verstorben. Mit Gerlinde Haid verliert die Volksmusikforschung in Österreich eine ihrer bedeutendsten, prägendsten Persönlichkeiten.

Gerlinde Haid war bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 2011 Professorin am Lehrstuhl für Geschichte und Theorie der Volksmusik an der “Universität für Musik und darstellende Kunst Wien” und dort auch Leiterin des “Instituts für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie”. Ihr hauptsächliches Forschungsgebiet war die Volksmusik im Alpenraum. Gerlinde Haid führte in allen Bundesländern Österreichs sowie in Südtirol und im Trentino ethnomusikologische Feldforschungen durch. Etliche ihrer umfangreichen Buchpublikationen und Abhandlungen sind Standardwerke der Volksmusikforschung in Österreich.

Der Österreichische Fachverband für Volkskunde trauert um ein überaus geschätztes Mitglied.

Elisabeth Katschnig-Fasch verstorben

Mit großer Trauer und Bestürzung teilen wir mit, dass Frau Univ.-Prof. Dr. Elisabeth Katschnig-Fasch am 4. Februar 2012 im 65. Lebensjahr verstorben ist.

Der ÖFV trauert um ein langjähriges Mitglied und ehemaliges Vorstandmitglied, welches den Fachverband maßgeblich mitgestaltet hat. Elisabeth Katschnig-Fasch war eine über die Fachgrenzen hinaus anerkannte, couragierte, charismatische und liebenswerte Kollegin.

Die Trauerfeier beginnt am Mittwoch, dem 15. Februar 2012, um 12.00 Uhr mit dem Requiem in der Pfarrkirche Graz-St. Peter, die Beisetzung findet im Anschluss am benachbarten Ortsfriedhof St. Peter statt.

 

„Kick-off“ für das „voku-netzwerk“: Kontaktstelle für Absolventinnen und Absolventen des Grazer Institutes für Volkskunde und Kulturanthropologie gegründet

Zu einer Podiumsdiskussion mit anschließendem Buffet lud im November des soeben ausgeklungenen Jahres 2010 der AbsolventInnen-Verein der Karl-Franzens-Universität Graz „alumni UNI graz“. Unter seinem Dach gibt es seit kurzem eine Sektion für Volkskunde und Kulturanthropologie, das „voku-netzwerk“. Entstanden ist diese Sektion aus dem Wunsch, eine Plattform für andauernde Kontakte zwischen dem Institut, seinen MitarbeiterInnen und ehemaligen StudentInnen zu schaffen, die mittels regelmäßiger Veranstaltungen befördert werden sollen.

Eine Reflexion des Netzwerk-Gedankens und eine kritische aber auch wertschätzende Beleuchtung universitärer Alumni-Bewegungen erfolgte in den Begrüßungsworten, die die Institutsleiterin Univ.-Prof.in Dr.in Johanna Rolshoven aussprach. Durch den weiteren Abend führte Moderatorin Mag.a Dr.in Judith Laister,
Universitätsassistentin am Institut für Stadt- und Baugeschichte der TU
Graz und Lektorin an der Karl-Franzens-Universität Graz.. Über 100 interessierte Besucherinnen und Besucher machten die Veranstaltung im Meerscheinschlössl zu einem „Publikumserfolg“!

Sprungbrett Volkskunde: Geplante Karrieren und prekäre Verläufe
„Glückliche Zufälle, Verzögerungen und überwundene Hindernisse in Lebensläufen von AbsolventInnen des Grazer Institutes für Volkskunde und Kulturanthropologie“ – so hätte der Titel der Veranstaltung am 17.11.2010 auch lauten können. Viele solcher „schicksalshaften Fügungen“ fanden sich als Themen in den Eingangsstatements der fünf Podiumsgäste. Mag.a Martina Pall, Direktorin der Hanns-Schell-Collection in Graz, Dr. Gilles Reckinger, Dokumentarfilmer und Lehrbeauftragter in Graz und St. Gallen , Univ.-Doz. Dr. Karl Stocker von der Fachhochschule Joanneum sowie Dr. Wolfgang Wehap von der APA Steiermark und Mag.a Astrid Widmann-Rinder, Inhaberin der Kommunikationsagentur medien&mehr in Wien, schilderten zu Beginn der Diskussion ihre Wege zum Beruf und ihre Eindrücke aus der Studienzeit.

Von der „Generation derer, die Karrieren nicht geplant haben, sondern ganz naiv, einmal während des Studiums, und nicht weniger naiv, auch nach dem Studium, ‚einmal geschaut haben’“ sprach die Moderatorin Judith Laister, als sie einen schriftlichen Diskussionsbeitrag der leider verhinderten Mag.a Anita Niegelhell (tätig im Bereich BesucherInnen-Service des Universalmuseum Joanneum), vortrug.
Der Studienbeginn lag bei einigen der Gäste in den späten 1970ern bzw. frühen 1980ern, was für AbsolventInnen jüngerer Zeit spannende Einblicke in den Alltag am Institut in der Zeit des Überganges zwischen Oskar Moser und Editha Hörandner brachte. Karl Stocker zum Beispiel berichtete von für ihn beeindruckend unterschiedlichen „Institutskulturen“ zwischen seinem Hauptfach Geschichte und der Volkskunde, die damals auf ihn eine besondere Faszination ausübte.
Mit Genuss studiert hat auch seine Nachbarin am Podium, Astrid Widmann-Rinder, die besonders betonte, wie wichtig es für sie war, der Phase der Studienzeit einen angemessen großen Zeitraum in ihrem Lebenslauf einzuräumen – eine Einstellung, die im Hinblick auf gegenwärtige universitätspolitische Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf heutige Studierende tatsächlich auf gesellschaftliche Veränderungsprozesse schließen lässt. Die Frage nach solchen Veränderungen stand während der Statements der Podiumsgäste – angeregt durch Anita Niegelhells Statement – auch stets zur Diskussion: (Wie) Hat sich die soziale Situation der Studierenden und der BerufsanfängerInnen in diesen letzten drei Jahrzehnten gewandelt, gilt es heute zielgerichteter zu studieren als früher? Gibt es heute spürbar andere Anforderungen in der Arbeitswelt? Ist ein ForscherInnen-Lebenslauf heute prekärer? Das Podium stellte relativ geschlossen auf Basis der jeweiligen persönlichen Erlebnisse und Beobachtungen fest, dass die zumindest zeitweilige Erfahrung von Prekarität in Lebensläufen von Volkskunde- und Kulturanthropologie-AbsolventInnen heute wie damals einen festen Platz hat.

Das „Eigentliche“: die Forschung?
Das Organisationsteam hat versucht, die Gäste so auszuwählen, dass eine gewisse Vielfalt der beruflichen Lebensentwürfe von ehemaligen Volkskunde-Studierenden sichtbar wird. Die Berichte der Gäste über die Bedingungen für ihre berufliche Verwirklichung brachten spannende Unterschiede aber auch Übereinstimmungen zutage. Diskrepanzen zwischen persönlichen Wünschen und tatsächlichen Möglichkeiten kamen zur Sprache. Der Aspekt der positiven Beeinflussung durch bestehende Netzwerke und unterstützende Strukturen wurde diskutiert wie auch die Relevanz von Geschlecht für Karrieremöglichkeiten.

Wolfgang Wehap berichtete von seinen Bestrebungen, Inhalte aus dem Studium in seinen beruflichen Alltag als Journalist einzubringen – er studierte in den späten 1980ern und frühen 1990ern berufsbegleitend und folgte in seiner Forschungstätigkeit seinem persönlichen Interesse an Mobilitäten (in Studien zu „Geh-Kultur“ oder zu Autobahnraststätten). Astrid Widmann-Rinder sprach über ihre Leidenschaft für das Verlagswesen, die sich bereits 1988 in der Wahl ihres Diplomarbeitsthemas manifestiert hatte („Julia, Romana, Tiffany …: der Traum der großen Liebe beginnt auf Seite 5 – eine Inhaltsanalyse der Heftromane des Cora-Verlags“). Die Arbeit an ihrer Diplomarbeit mündete leider nicht unmittelbar in eine Anstellung beim Cora-Verlag, wie sie schmunzelnd bemerkte, nach einigen Jahren des Erfahrungen-Sammelns jedoch gründete sie erfolgreich ihre eigene Agentur in diesem Bereich.
Von der ihren beruflichen Weg begleitenden Idee im Hinterkopf, dass sich „das Eigentliche“ schon noch ergeben würde, spricht Anita Niegelhell in ihrem schriftlichen Diskussionsbeitrag. Für sie war dieses „Eigentliche“ immer die Forschung im volkskundlich-kulturanthropologischen Bereich. Durch die Mitarbeit an einigen universitären Forschungsprojekten sowie ihre Lehrtätigkeit am Institut ließ sich die Idee bisher zumindest teilweise realisieren. Auch der heutige FH-Studiengangsleiter Karl Stocker erzählte am Podium von seinem Wunsch, an der Universität zu lehren und zu forschen – sehr ehrlich beschrieb er, wie er sich 1988 habilitierte, was allerdings nicht auf sofortigem Wege in eine universitäre, hochdotierte Position mündete und ihn damals sogar den zweifelnden Fragen seiner Verwandtschaft – „Warum hast Du Dich dann überhaupt habilitiert, wenn es finanziell nichts gebracht hat?“ – aussetzte.

Karriere-Stolperstein Geschlecht?

„Stolpersteine“ auf dem Weg zu einer wunschgemäßen Karriere können bekanntermaßen auch Faktoren wie Geschlecht und Familienstand darstellen. Auch dies kam am Podium zur Sprache. Martina Pall sprach die Unterstützung durch ihren Ehemann an, durch die es ihr möglich war, Familiengründung und Karriere gleichzeitig zu verwirklichen. Gilles Reckinger hakte hier ein und brachte die Diskussion auf das Thema Mobilität und Partnerschaft – im Fall von ihm und seiner Partnerin handelt es sich nämlich um ein „kulturanthropologisches Paar“, eine Konstellation, die sich zwar, wie er meinte, sehr inspirierend und befruchtend auf die jeweilige Forschungsarbeit auswirke, allerdings auch mit Herausforderungen einhergeht, da auf die „Flugbahnen“ (im Sinne Pierre Bourdieus) beider PartnerInnen – noch dazu im selben Feld – gleichsam eingegangen werden muss. Einen alternativen und für das Publikum unterhaltsamen Lösungsansatz für die Problematik der Vereinbarkeit von Familie und Karriere brachte Karl Stocker vor, der aus persönlicher Erfahrung von (s)einem alternativen Familienentwurf sprach, bei dem es eine ausreichende Anzahl an engagierten Vätern, Müttern und Kindern gibt, die sich den Wohnraum und Kinderbeutreuungspflichten teilen, jedoch nicht zwingend miteinander verwandt sein müssen.

Was bleibt von einer solchen Diskussion?
Sechs Personen haben sich Zeit genommen und haben öffentlich über die Rolle des Faches und des Studiums in ihrem persönlichen Lebensweg nachgedacht. Was bleibt von dieser Veranstaltung? Kurz zusammengefasst: Anregungen zum Weiterdenken und ein warmes Gefühl im Bauch.

Auf persönlicher Ebene war es für viele eine schöne Gelegenheit, in alten WG-Erinnerungen zu schwelgen, sich mit bis in die Schweiz verstreuten AbsolventInnen auszutauschen oder sich an das Treffen mit der heutigen Institutsleiterin bei einer internationalen Studierendentagung in der Steiermark in den 1980ern zu erinnern. Eine Gelegenheit, einmal wieder aus dem beruflichen Alltag herauszutreten und in ein Umfeld von volkskundlich-kulturanthropologisch inspirierten „Gleichgesinnten“ einzutauchen.

Ansatzpunkte zum Weiterdenken tun sich einige auf. Neben den oben beschriebenen wichtigen Diskussionspunkten kann es zum Beispiel fruchtbar sein, sich die spezifisch volkskundlich-kulturanthropologischen Kompetenzen bewusst zu machen – was macht Absolventinnen und Absolventen unseres Faches gegenüber anderen eigentlich aus? Aus der Diskussion ergeben sich aber auch Anregungen dazu, was das Studium am Standort Graz leistet, geleistet hat, leisten könnte und leisten sollte, um Studierenden einen guten Start für ihre berufliche Laufbahn, ob in Forschung oder anderen Bereichen, mitzugeben. In den Worten Anita Niegelhells: „Gibt es genug Bewusstsein darüber, bzw. Bewusstseinsarbeit darüber, für welche Wege man eigentlich ausbildet, beziehungsweise was von dem, das man lehrt, wo und auf welche Weise Anwendung finden kann?“

Eine wichtige Kompetenz, und hier haben sich die Verantwortlichen des „voku-netzwerkes“ auch von der Diskussion inspirieren lassen, ist die der Vermittlung und Übersetzung von akademischem Wissen. Dieser Notwendigkeit, Wissenstransferarbeit zu leisten, möchte das „voku-netzwerk“ in Folgeveranstaltungen gerecht werden.

Nachbericht: Johanna Stadlbauer, Graz
Photostrecke zur Veranstaltung
Kontakt: alumni@uni-graz.at, Homepage: www.uni-graz.at/alumni/vokunetzwerk

 

Maria Hornung +

Am 26. Juni 2010 ist Maria Hornung, langjähriges Mitglied des ÖFV und “Grande Dame” der Mundartforschung in Österreich im Alter von 90 Jahren verstorben.

Maria Hornung wurde 1920 in Wien geboren. Sie studierte Germanistik, Anglistik und Romanistik an der Universität Wien. 1942 wurde sie Mitarbeiterin der Wörterbuchkanzlei der Österreichischen Akademie der Wissenschaft.

Seit 1958 widmete sie sich der Mundartforschung: Den ausgedehnten Dokumentations- und Feldforschungsaufenthalten in den Sette Comuni/Sieben Gemeinden, in Sappada/Pladen, Sauris/Zahre und Timau/Tischelwang folgten umfangreiche Grundlagenwerke. Ihre Habilitation, bis heute ein Standartwerk, befasste sich mit der „Mundartkunde Osttirols“. 1969 wurde sie zur Titularprofessorin, 1980 zum a.o. Universitätsprofessorin an der Universität Wien ernannt. Ein Schwerpunkt ihrer Studien blieb die Erforschung von Sprachinseln. Dabei verstand sie es,  mundartkundliche Fragestellung mit volkskundlichen Beobachtungen zu verbinden. Ihr Oeuvre umfasste hunderte wissenschaftliche Artikel oder Bücher, sie war Bearbeiterin und Herausgeberin des Österreichischen Wörterbuchs, forschte über die slowenischen Ortsnamen in Kärnten und gründete 1982 das Österreichische Sprachinselmuseum, dessen Ehrenvorsitzende sie bis zuletzt war. Mit Maria Hornung verliert der Österreichische Fachverband ein allseits geachtetes und überaus engagiertes Mitglied.

 

Erika Hubatschek gestorben

Am 19. Mai 2010 ist Frau Dr. Erika Hubatschek, Mitglied des Österreichischen Fachverbandes, im 93. Lebensjahr verstorben.

Erika Hubatschek wurde 1917 in Klagenfurt geboren und studierte Volkskunde, Geographie und Leibesübungen an den Universitäten Graz und Innsbruck. Ihr Studium schloss sie mit der Dissertation ” Almen und Bergmähder im oberen Lungau” ab. Seit 1934 galt ihr Interesse dem Leben und Arbeiten der Bergbauern. Aufbauend auf umfangreiche Fotodokumentationen und einer intensiven Feldforschungstätigkeiten publizierte sie bis zu ihrem Tod zahlreiche Bücher, organisierte Ausstellungen und hielt Vorträge. Mit Erika Hubatschek verliert der öfv eine in ganz Österreich bekannte Volkskundlerin.

 

Utz Jeggle gestorben

Das Ludwig-Institut für Empirische Kulturwissenschaft hat die traurige Pflicht den Tod von Prof. Dr. Utz Jeggle bekannt zu geben.

Utz Jeggle hat über Jahrzehnte Arbeit und Ruf des Instituts geprägt. Er war bis zuletzt einer seiner kreativsten Köpfe – ein konsequenter Erneuerer ebenso wie ein selbstkritisch Besonnener, scharfsinnig in seinem Urteil, Grenzen überschreitend in seiner Neugier, elegant und einfühlsam in seiner Sprache.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts